Tata Dindin & Hans Lüdemann

"piano meets Kora - African Dialogues"

Tata Dindin, Gesang/Kora

Hans Lüdemann, piano/Clavichord

 

Die Kora ist Symbol der großen Musiktradtion Westafrikas, wie das Klavier die europäische Musiktradition verkörpert. An beide dieser großen Traditionen knüpfen Tata Dindin, Koraspieler aus Gambia, und Hans Lüdemann, Pianist aus Deutschland, an. Lüdemann benutzt neben dem Piano auch dessen Ahnen, das Clavichord, und schlägt damit eine Brücke zum Vater allen Klavierspiels, Johann Sebastian Bach. Tata Dindin ist nicht nur ein Virtuose der Kora, sondern auch ein begnadeter Sänger.

Die Premiere der Zusammenarbeit von Hans Lüdemann und Tata Dindin fand im Frühjahr 1999 in Dakar, Senegal, statt. Im Rahmen einer vom Goethe-Instituts organisierten Tournee von Lüdemann durch Westafrika trafen die beiden in stürmisch gefeierten Konzerten zusammen. Die Basis für eine Fortführung und Intensivierung dieser Zusammenarbeit in Europa war geschaffen.

Tata DindinTata Dindin ist ein "Griot", das heißt, daß er durch seinen Vater und dessen Vorväter in einer Ahnenreihe steht mit den großen Meistern der traditionellen afrikanischen Musik, des Gesangs und der geschichtlichen Überlieferung. Sein Instrument, die Kora, ist eine afrikanische Stegharfe mit 21 Saiten. Die Griots gelten in Afrika als Heiler. Musik als ein Heilmittel, Musik mit Seele - auf dieser Ebene haben sich Lüdemann und Tata Dindin sofort gefunden.

Lüdemann hat ein besonderes Verhältnis zu Afrika und seiner Musik, das sich über viele Jahre durch persönliche Beziehungen und mehrere Reisen entwickelt hat. Es fand seinen Ausdruck erstmals auf seiner Solo-CD "the natural piano" in der Verarbeitung afrikanischer Themen und Motive. Lüdemann hat Musik Afrikas auf das Klavier übertragen und verbindet dies mit seiner Improvisationskunst, die er schon in der Zusammenarbeit mit berühmten Musikern wie Jan Garbarek und Paul Bley bewiesen hat. Basierend auf abendländischer Polyphonie und afrikanischer Polyrhythmik hat Lüdemann einen eigenen Stil entwickelt, eine "erkennbar eigene Sprache" (FAZ).

Tata Dindin ist spätestens seit seiner Solo-CD "Salam" einer der profiliertesten Kora-Spieler.

Er verkörpert dabei nicht nur die Tradition. Mit seinen eigenen Kompositionen transportiert er die Kora in die heutige Zeit. Auch elektrifiziert spielt er sein Instrument und wurde dafür schon als "Jimi Hendrix der Kora" gefeiert.

Lüdemann und Dindin beziehen sich in ihrem Duo-Programm einerseits auf die traditionelle Musik Westafrikas. Zum Anderen haben sie eigene Kompositionen für diese Besetzung entwickelt, die darüber hinausweisen und die auch Elemente der europäischen Musik und der Improvisation einbeziehen. Ihre Musik ist dabei fließend und unangestrengt. Sie hat etwas Weiches und Meditatives, das allerdings weitab von allem New Age-Geplätscher liegt.

Erstaunlich ist, wie gut Piano und Kora klanglich miteinander harmonieren. Erklären kann man das dadurch, das beides Saiteninstrumente sind. Aber auch von ihrer Funktion her ähneln sich sich: Beide sind das Instrument der musikalischen Gestalter, der Dirigenten und Komponisten.

Beide Instrumente können gleichermaßen Solist, Begleiter oder Fundament sein.

Noch stärker ist die Verschmelzung von Clavichord und Kora. Die Klangfarben der beiden Instrumente sind einander so ähnlich, das eine Unterscheidung manchmal kaum möglich ist.

Doch ergeben sich in ihrer Kombination ungeahnte neue Klangmöglichkeiten.

Beide Musiker sind ungefähr gleich alt und haben eine internationale Karriere mit Konzerten auf der ganzen Welt, CD-, Rundfunk- und Fernsehproduktionen vorzuweisen. Mit ihrer Zusammenarbeit eröffnen sie eine neue Perspektive für ihre Instrumente, für uns, für sich und für die Musik.

 

Ebraima "Tata Dindin" Jobarteh

Ebraima Jobarteh wurde 1965 in Brikama (The Gambia), der Heimatstadt des Jobarteh-Clans, geboren. Als er sechs Jahre alt wurde, baute ihm sein Vater Malamini Jobarteh eine erste Kora und begann die Ausbildung. Damals lebte noch Malaminis Stiefvater, der legendäre Al Hadj Bai Konte, der bis zu seinem Tode an der Ausbildung seiner Enkel ebenfalls beteiligt war. In der Tradition des Mandinka- Volkes wird der Beruf des Musikers (jali) nur innerhalb der Familie vererbt. Der jali hat die Funktion, die Gemeinschaft mit dem Spiel eines Instrumentes, Gesang oder Deklamieren von Lobpreisungen zu unterhalten bzw. zu informieren. Doch viel wichtiger: die jali sind lebende Geschichtsbücher, die die Geschichte ihres Volkes in Form von Epen bewahren.

Neben dem Erlernen des traditionellen Repertoires interessierte sich Ebraima Jobarteh auch für die modern yenyengo -Schule des Kora-Spiels und erweitere seine Ausbildung bei Jaliba Kuyate, dem Neuerer des gambianischen Koraspiels. Bei ihm lernte er komponieren, arrangieren und texten. Während die äteren jali sich ganz auf die Pflege des traditionellen Repertoires und das Singen von Preisliedern konzentrieren, spielen die jungen Muskiker der yenyengo-Schule zeitgenössische Stücke und neuarrangierte Versionen von Klassikern. Ihre Musik soll zum Tanzen animieren.

Schnell stieg Ebraima Jobarteh uner dem Künstlernmamen Tata Dindin zum Star seiner Heimat auif. Die Texte siner Lieder erklären den Jugendlichen unter anderem die Veränderungen in der traditionelllen Gesellschaft, den Sinn von Impfkampagnen und des Roten Kreuzes und fordern sie immer wieder dringlich auf "den rechten Pfad" nicht zu verlassen. Zusammen mit seiner Salam-Band, die sein elektrisch verstärktes Kora-Spiel begleitet, gibt er seit Jahren oft zwei bis drei Konzerte täglich. Eine Tournee durch Schulen im ganzen Land sollte die Kinder von der Aktualität der Kora überzeugen. Gerade bei der Jugend ist Tata Dindin ein Held, er revolutionierte das Spiel des Instrumentes, das er mit atemberaubemder Virtuosität beherrscht, und gilt als einer der experimentellsten Musiker Gambias. Seine Auftritte sind Schrill: in seiner Technik, den Verstärker als Instrumente einzusetzen (Feedback!) und mit der von ihm erfundenen Kora-Akrobatik, die Kora auf dem Rücken oder mit den Zähnen zu spielen, erinnert er an Jimi Hendrix. Doch Tata Dindin liebt es auch, die Kora ganz ohne Verstärkung zu spielen, dann verbinden sich eigenen Lieder mit traditionellen Themen zu einem meditativ fließendem Mix. 1994 nahm er seiner Erste Solo-CD

Tata Dindin: Salam- New Kora Music (World Network 23: The Gambia, Vertrieb Zweitausendeins) mit traditionellen un dselbst komponierten Liedern und Instrumentalstücken auf.

 

 

Die Kora

Die Kora ist einzigartig in Afrika und zählt wie die Jagdharfen der Bambara und Djola, mit denen sie manchmal verwechselt wird, zur Familie der Stegharfen. Sie ist neben dem Balo (Balafon) das klassische Instrument des Mandinka-Jali und gilt als "Instrument der Könige". Ihr Körper besteht aus einer halben Kalebasse, die mit einer Rinderhaut bespannt ist. Durch den Korpus wird ein Holzstab getrieben, an dem die Saiten, die über einen Steg führen, befestigt sind. Früjher wurden die Saiten aus Lederstreifen oder Därmen hergestellt, heute sind sie aus Nylonschnüren.

Einigermaßen sicher ist, daß die Kora im frühen neunzehnten Jahrhunderi im Königreich Kaabu (das heutige Guinea -Bissau) gespielt wurde und sich von dort aus verbreitete. Bis dahin war das kontingo (Wolof: Xalam, Bambara: ngoni), eine ein- bis fünf-saitige Kurzhalslaute mit Lederbünden gebräuchlichstes Zupfinstrument.

Die 21 Saiten der Kora werden ausschließlich mit den beiden Daumen und Zeigefingern gezupft, während die anderen Finger das Instrument festhalten. Die ersten vier linken Saiten sind Baßsaiten und werden mit dem linken Daumen angeschlagen. Die restlichen 17 Saiten sind heptatonisch gestimmt. Die gebräuchlichste Kora- Stimmung, tomora ba, klingt unsere Dur -Tonart sehr ähnlich, was einer der Gründe für die erstaunliche Popularität der Kora-Musik in Europa sein mag. Die von der tomora ba hergeleitete hardino-Stimmung ist in Gambia serh populüär . Hier sind die Intervalle zwischen dem zweiten und dritten wie sechsten und siebten Ton erweitert. Ein Kora-Virtuose ist in der Lage, gleichzeitig die Melodie, deren Begeleitstimmen und die Baßlinie zu spielen. Dabei klopft er bisweilen mit den Zeigefindern rhythmisch gegen sein Instrument und schafft sich so eine perkussive Begleitung. Tata Dindin baut seine Kora selber und spielt ein Instrument mit 22 Satien, d.h. mit einer zusätzliche Baßsaite.