Konzerte und musikalische Begegnungen


Konzertreise Hans Lüdemann - "the natural piano"



Westafrika, 5.2. - 15.3. 1999

im Auftrag des Goethe-Instituts

Senegal
Cote d`Ivoire
Burkina Faso
Ghana
Mali

Tasten nach Afrika

Reisebericht

Ein Pianist auf Konzertreise in Westafrika? Doch wie soll man Klavierkonzerte geben, wenn es keine Klaviere gibt? An dieser Frage wäre die Tournee fast gescheitert.

Doch erst die Vorgeschichte: Seit vielen Jahren fasziniert und beschäftigt mich afrikanische Musik. Auf meiner Solo-CD "the natural piano" von 1995 hatte das Niederschlag gefunden. Aufgrund der CD wurden Goethe-Institut und Botschaften in Westafrika aufmerksam und meldeten Interesse an Konzerten an. Mein Vorschlag war, statt einer reinen Solo-Tournee auch Begegnungen und Projekte mit afrikanischen Künstlern zu realisieren. Diese Idee fand fruchtbaren Boden, doch als die Vorplanung begann, stellte sich heraus, das vielerorts keine Klaviere aufzutreiben waren.

Auch dieses Problem wurde schließlich gelöst, allerdings nicht ohne einige Magenschmerzen.

Ich rüstete mich mit einem Masterkeyboard nebst "virtuellem", gesampeltem Steinway-Flügel und meinem Clavichord für die Tournee aus, so das ich für den Zweifelsfall funktionierende Instrumente dabeihatte. Alles in Allem eine höchst ungewöhnliche und gewagte Planung für eine Tournee.

Dem Goethe-Institut und besonders dem Leiter des Musikreferats, Jürgen Drews, sei gedankt für den Mut, solch eine "Pioniertat" durchzuführen. Auch das Auswärtige Amt ist an der Planung beteiligt, denn in Ländern wie Mali und Burkina Faso gibt es kein Goethe-Institut.

Beim Start am Kölner Flughafen Anfang Februar gab es - höchst ungewöhnlich für die Jahreszeit - Sturm und Gewitter. So wurde ich aus Deutschland hinausgeschleudert Richtung Afrika.

Einen Zwischenstop gab es in Paris, wo sogleich meine Keyboard-Kiste beschlagnahmt wurde. Erst ein Check im Hochsicherheitsbereich des Flughafens brachte das Ergebnis, das sie keine Bombe enthielt und ich weiterfliegen durfte.

Dakar, Hauptstadt des Senegal, empfing mich des Senegal, empfing mich unerwartet mild, mit frischer Meeresluft und einer leichten Brise. Romantische Gefühle wurden jedoch sogleich gedämpft durch endloses Warten an der Passkontrolle. Die Stadt Dakar ist direkt am Meer gelegen. Auch Hotel und der kleine Saal des Goethe-Instituts, der zum Proben und für die Konzerte diente, waren nicht weit vom Strand entfernt.

Gleich am Morgen nach der Ankunft erwartete mich mein afrikanischer Partner, mit dem ich zusammenarbeiten sollte: Tata Dindin aus Gambia, ein Meister der afrikanischen Kora-Harfe und Sänger. Er stammt aus einer berühmten Familie von "Jalis". Das sind die Musiker und Geschichtenerzähler Afrikas, deren Aufgabe es war und ist, die Geschichte und Geschichten mündlich zu überliefern. Tata Dindin, hat es geschafft, diese Tradition in die heutige Zeit zu übertragen und aufbauend auf seiner Tradtion, eigene aktuelle Lieder und Instrumentalsücke zu entwickeln. Ohne zu viele Worte zu verlieren, begannen Tata und ich unsere Proben und spürten, das wir musikalisch einander viel zu sagen haben. Doch es ist keine leichte Aufgabe, die Grenzen zweier so unterschiedlicher Kuluren zu überschreiten. Das beginnt mit der Kora-Harfe, die beschränkt ist auf die 21 Töne ihrer Grundstimmung(en) Sie kann somit prpraktisch nur modal eingesetzt werden. Hinzu kommt die Verwendung ungewohnter afrikanischer Stimmungen, die ich auf Clavichord und Keyboard übertrug. Und: Afrikanische Musik kennt keine Notation, sondern wird "von Mund zu Mund" weitergegeben. Es ist ein zeitaufwendiges Verfahren, rein nach Gehör zu lernen und zu proben, ohne eine einzige geschriebene Note. Belohnt wird man durch ein tiefes Eindringen in die Musik. Man ist gezwungen, einander sehr gut zuhören, was dem Zusammenspiel zugute kommt!

Entsprechend positiv waren die Reaktionen des überwiegend schwarzafrikanischen Publikums.

Mein Einstand, ein Soloabend, war für mich auch die Feuertaufe meines neuen, für mich ungewohnten Instrumentariums mit Keyboard und Clavichord.

Der zweite Abend, im Duo mit Tata Dindin, wurde dann tatsächlich zu einem Eintritt in eine andere Welt. Allein das Bestreiten eines Konzertprogramms nur in einer Grundtonart (nämlich Ges-lydisch) erzeugt eine ganz spezielle Atmosphäre. Und die Verbindung von Kora und Klavier ergibt eine eigene Klangfarbe. Als besonders glücklich erwies sich die Kombination Clavichord/Kora mit einem hohen Verschmelzungsgrad beider Instrumente.

Die große Resonanz beim Publikum und in den Medien hatten wir nicht zuletzt der hervorragenden Organisation des Goethe-Instituts Dakar und seines Leiters Hendrik Kloninger zu verdanken.

Tata Dindin und ich hatten hier einen Anfang gemacht für ein Projekt, das wir beschlossen, auf jeden Fall weiterzuführen.

Vor meinem Konzert mit Tata stand auch noch ein Workshop auf dem Programm in der einzigen Musik(hoch)-Schule des Landes, des "Conservatoire du Senegal". Mein erster Eindruck war Chaos und Anarchie. Angesichts des infernalischen Lärms, der mir aus dem Proberaum entgegenschallte, war mir nicht klar, ob meine Ohren diesen Nachmittag überstehen würden. Drinnen spielte eine Studentenband munter drauflos mit gnadenlos übersteuerten Verstärkern und unerträglich verstimmten Instrumenten. Trotz der Anwesenheit zahlreicher Lehrer der Schule schien überhaupt nichts strukturiert oder organisiert. Doch beherzt ging ich mitten ins Getümmel. Meine urspünglichen Pläne eines Vortrags über Bord werfend, begann ich sogleich, mit der Band die Instrumente zu stimmen und zu proben. Das wurde dankbar angenommen und wir schafften es immerhin, nach Gehör zwei Stücke einzuproben. Die Studenten zeigten sich als sehr musikalisch. Doch arbeitet man hier unter sehr schlechten Bedingungen. Es mangelt an Ausstattung mit Rung mit Räumen, Instrumenten und finanziellen Mitteln. Außerdem gibt es auch einen Widerspruch zwischen der traditionellen, mündlichen Überlieferung von Musik und akademischen Lehrmethoden, den die afrikanische Musikpädagogik noch aufzulösen hat, wenn sie erfolgreich Ausbildung an staatlichen Schulen anbieten will.

In Cote d`Ivoire (zu deutsch: "Elfenbeinküste") erwartete mich direkt das nächste Projekt.

Hier hatten das Goethe-Institut Abidjan und dessen Leiterin Ute Grauerholz keine Kosten und Mühen gescheut und sogar eine komplette Band zusammengestellt, mit der eine kleine Tournee durch 3 Städte des Landes stattfinden sollte. Das Klima in Abidjan, dem mit ca. 6 Mi Millionen Einwohnern größten und wichtigsten Zentrum des französischsprachigen Westafrika, ist tropisch-feucht und erst einmal gewöhnungsbedürftig. Doch die mich mit offenen Armen empfangenden Menschen ebenso wie die Palmen und Lagunen der Stadt am Meer erleichtern die Akklimatisierung sehr.

Ali Keita, ein Virtuose des Balaphons (afrikanisches Vorbild unseres Xylpophons) hatte die Musiker des Projekts ausgesucht: Außer ihm noch André Nkouaga (Bassgitarre) und Namori Cissé (Schlagzeug), alle drei bekannte Musiker in ihrer Heimat. Schon bei der ersten Probe wurde deutlich, das hier eine musikalisch andere Richtung verfolgt wird - Weniger ein kammermusikalisches Klangbild, sondern ein druckvoller, eher rockiger Sound. Für Proben und Konzert stand mir im Goethe-Institut Abidjan ein wunderbarer Steinway B zur Verfügung, der nun allerdings an die Grenzen seiner Lautstärke gebracht wurde. Auch hier wurde unglaublich ausdauernd geprobt, bis zu 10 Stunden am Tag. Konnte ich mich in Dakar mit Tata Dindin noch Englisch verständigen, so muß ich jetzt Französisch radebrechen. Das fällt anfänglich schwer, zumal der afrikanische Akzent nicht immer leicht zu verstehen ist. Ein Wort prägt sich mir jedoch sofort ein: "Repetition", das französische Wort für "Probe", welches gleichzeitig "Wiederholunung" bedeutet. Und das machen wir bis zum Umfallen: Wiederholen, wiederholen, wiederholen. Denn es gibt bis auf die kleinen Notizen, die ich mir mache, keinerlei notierte Musik. Zum Projekt steuert jeder etwas bei. Dies ist sicher einer der Gründe für das große Engagement der Musiker, ein weiterer die hervorragende Öffentlichkeitsarbeit des Goethe-Instituts, die großes öffentliches Interesse durch Presse und Fernsehen hervorruft.

Nach drei intensiven Probetagen brechen wir auf zu unserer kleinen Tournee durch das Land.

Die erste Station ist Bouaké, eine Universitätsstadt im Norden des Landes. Dort ist unser Auftrittsort ein staatliches "Centre Culturel". Das Konzert ist mit etwa 600 Leuten sehr gut besucht, ebenso das folgende in der Landeshauptstadt Yamoussoukrou. Diese Stadt ist ein Unikum - ursprünglich kleines Heimatdorf des Präsidenten mitten im "Busch" hat dieser sie zur Haupstadt mit riesigen Prunkbauten ausstaffiert. Dazu zählt ein originalgetreuer Nachbau des Petersdoms ebenso wie das gigantische Univeristätsgelände, auf dem wir auftreten. Die Umstände von Tournee und besonders der technischen Organisation sind teils abenteuerlich und chaotisch, so das man sich abends wundert, wenn das Konzert tatsächlich stattfindet. So findet sich etwa im Auditorium der Universit&ität mit ca. 3000 Plätzen und riesiger Bühne nur eine einzige funktionierende Lampe. Die Unterkünfte entbehren Bettzeug und Handtücher, so das ich mich eine Nacht mit dem Duschvorhang bedecke.

Diese Desorganisation ist nicht Schuld des Goethe-Insituts, sondern geht auf das Konto örtlicher Veranstalter. Erstaunlich, das das musikalische Resultat unter den Umständen kaum leidet.

Doch nach den Strapazen sind wir froh, wieder "daheim" in Abidjan landen zu können. Erleichtert wird mir der dortige Aufenthalt auch durch meinen Schwager Mamadou Keita, der hierher stammt und mir viel von Abidjan zeigt. Die Stadt bietet ein Kontrastprogramm zwischen vornehmen Vierteln wie Cocody und Riviera, an der Lagune gelegen, und den äußerst belebten Adjamé oder Treichville, dem Stadtteil mit dem aufregendsten Nachtleben.

Das letzte Konzert im Goethe-Institut Abidjan erlebt einen stürmischen Besucherandrang. Es ist ein wunderbares Erlebnis, vor afrikanischem Publikum spielen zu können, das spontan selbst auf klf kleine Nuancen reagiert. Höhepunkt ist das Duo Klavier-Balaphon, bei dem wir von einem wohlhabenden Ivorer auf der Bühne öffentlich Geldscheine zugesteckt bekommen. Das ist die traditionelle Art, die Musiker zu belohnen. Für mich eine ganz neue Erfahrung und gleichzeitig ein Zeichen, das man mich hier mag und akzeptiert. Nach dem großen Erfolg beschließen wir, noch einen Tag ins Studio zu gehen, um etwas von unserer Zusammenarbeit festzuhalten.

Nach 10 Tagen Cote d`Ivoire erwartet mich nun ein ganz anderes Klima und ein vergleichsweise kurzer Aufenthalt in Ougadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. "Ouga", wie es verkürzt genannt wird, liegt in der Sahel-Zone mit trocken-heißem Klima. Ich kenne die Stadt von früheren Afrikareisen und bin beeindruckt vom Stadtbild, das sich sehr positiv entwickelt hat. Auffällig die Sauberkeit, an der es vielen anderen afrikanischen Metropolen mangelt.

Hier steht in erster Linie ein Solokonzert auf dem Programm, außerdem ein ganztägiger Workshop in der "Ecole de Musique". Das Gebäude der Schule erweist sich als äußerst bescheiden dimensionierter und ausgestatteter Flachbau. Es mangelangelt an allen Ecken und Enden - einzig passables Tasteninstrument ist ein altersschwaches Fender Rhodes E-piano. Umso erstaunlicher, das es eine Reihe von Klavierstudenten gibt - es bleibt ein Rätsel, wo und wie diese üben sollen. Mit meinem High-Tech- Equipment, welches ich in einem staubigen Klassenraum aufbaue, fühle ich mich hier wie ein Mann vom Mond.

Zum Workshop finden sich viele Interessierte ein, insgesamt über 30 Teilnehmer. Ein Teil der Musiker sind sogar Profis, insgesamt ist das Niveau breit gestreut. Der ganztägige Workshop umfasst einen Vortrag, Ensemblespiel und eine "Klavierklasse" die begierige Aufnahme finden.

Die Musikalität und Energie ist enorm und man kann nur wünschen, das diese Talente bessere Bedingungen und mehr Anleitung bekommen.

Eine besondere Erfahrung auch mein Solokonzert im ZAKA, einem Veranstaltungsort im Zentrum der Stadt. Hier spielt man unter freiem Himmel, innerhalb eines ummauerten Rondells, das von Verkehrsstraßen umgeben ist. Ein Klavier-Soloabend auf einer Verkehrsinsel sozusagen.

Der Atmosphäre tut dies keinen Abbruch.

Die Creme der Musiker Ougadougous läd mich am letzten Abend in den sündhaft teuren Maestro-Club zur Jam-Session. Man präsentiert mich als "Stargast" und es geht hocht hoch her bis in die Morgenstunden.

Nun beginnt schon die vierte Woche meiner Tournee. Von Woche und Woche ist es heißer geworden. Kaum erträglich emfinde ich den Wechsel zurück ins tropisch-feuchte Küstenklima, als ich nun nach Accra, der Haupstadt Ghanas komme. Das ist auch ein Wechel in einen anderen Kulturkreis, denn Ghana gehört als ehemalige englische Kolonie nicht zum frankophonen Westafrika. Ebenso sind die dort lebenden Ethnien und Musikkulturen verschieden von denen des Sahel, dessen Kulturen über Staatsgrenzen hinweg deutlich Zusammengehörigkeit zeigen. Dazu zählt die Kora-Musik der Mandinke ebenso wie die Musik der Fulani oder Peulh-Nomaden.

Sobald ich wieder Musik mache, vergesse ich die Hitze. In Accra findet mein Konzert im Nationaltheater statt, einem ganz modernen Bau der Chinesen. Gelegenheit , einer meiner Leidenschaften zu frönen und zwei simultan gespielte Klaviere einzusetzen. Es wird ein schöner und langer Soloabend, nur unterbrochen durch ein kurzes, aber heftiges Prasseln vor der der Tür.

Das entpuppt sich als Geräusch einer Popcornmaschine. Man hatte sich von dem Publikum guten Absatz erhofft, denn im Gegensatz zu sonstigen Konzerten waren hier vor allem Weiße zu Besuch. Guten Absatz finden schließlich meine CDs, was ein neuartiges Problem aufwirft: Wohin mit dicken Bündeln von hunderttausenden "Cedis", der kaum konvertierbaren ghanaischen Währung?

Dicke Geldbündel in der Hosentasche zu tragen sind jedenfalls für einen Musiker ein eher ungewohntes, aber durchaus den Selbstwert hebendes Gefühl. Auch in Accra war das Konzert wieder hervorragend organisiert und betreut vom Goethe-Institut und dessen Leiterin, Sabine Hentzsch.

Der letzte Klimawechsel, nun in angeschlagenen Gesundheitszustand, haut mich fast um.

Bei der Ankunft im trocken-heißen Sahelklima Bamakos, der Hauptstadt Malis, herrschen schon 39° Celsius (Natürlich im Schatten). Mir wird mitgeteilt, man hätte das erste Konzert bereits auf den morgigen Tag vorverlegt. Statt des geplanten Solokonzerts solle ich dort mit dem Kora-Meister Toumani Diabaté auftreten. Wie das funktionieren soll, wenn man keine Zeit zum Proben hat, ist mir ein Rätsel. Doch wir schaffen es trotz meines Deliriums, noch am Nachmittag Toumani aufzusuchen und für den Abend eine Probe auszumachen.

Auf Anhieb gibt es ein gutes musikalisches Verständnis mit den hervoragenden Musikern, neben Toumani Diabaté der Ngoni (Lauten)-Spieler Basekou Kouyaté und der Balaphonist Lassana Diabaté. Wir proben am Konzertort, der Residenz des deutschen Botschafters, Herrn Prinz, der uns persönlich betreut. Doch eine kurze Probe reicht gerade zum Kennenlernen und nicht zum Erarbeiten eines Konzertprogramms. So wird das erste Konzert vor 400 geladenen Gästen im wunderschönen Garten der Residenz zu einer Session der afrikanischen Art auf hohem Niveau, vermischt mit Solo- und Duo-Einlagen. Das malische Fernsehen ist ebenso zugegen wie politische Prominenz Malis. Es ist ein großes Erlebnis, gemeinsam mit einigen der hervorragendsten afrikanischen Künstler auftreten zu können. Bei gemeinsamer Vorbereitung hätte sicher noch viel mehr entstehen können. Doch meine Partner sind mit mir mehr als zufrieden, und wollen mich überreden, gleich in Mali zu bleiben. Mittlerweile werde ich hier, wie schon an anderen Konzertorten, auf der Straße angesprochen, denn über Radio und Fernsehen bin ich nun schon bekannt geworden.

Bei einem kurzen Workshop im "Institut National des Arts" begegnet mir eine bisher unbekannte Spezies afrikanischer Musiker: Ein klassischer Musiker im europäischen Sinn, der Querflöte lehrt und mir erzählt, das er Bach für den größten Musiker aller Zeiten hält. Die Schule umfasst alle Künste und verfügt über ein sehr schönes Areal mitten im Zentrum Bamakos. Mit ein wenig europäischer, japanischer und kanadischer Hilfe ist eine teils beachtliche Ausstattung zusammengekommen. Ich nehme einen guten Eindruck mit, doch könnte mit etwas mehr Unterstützung hier wie in den anderen Schulen Westafrikas noch sehr vieles verbessert werden. Ich äußere die Hoffnung, das es zu einer Partnerschaft der Musikhochschule Köln mit einer der Schulen in Westafrika kommen könnte.

Ein weiteres Konzert findet statt in einer Art Nachtclub unter freiem Himmel ähnlich wie in Ougadougou, einem großen ummauerten Rondell mit Bühne, Tanzfläche, Tischen und Bar.

Dort spielt Toumani Diabaté in großer Besetzung, mit 7-köpfiger, elektrifizierter Band und Sängern.

Toumani und ich sind die "Stars" des Abends und betreten erst nach etwa einstündigem Vorspiel der Band gegen 23 Uhr die Bühne. In einem Duo mit mir läßt er mich seine ganze Virtuosität hören.

Höchst beeindruckend. Im weiteren Verlauf verliert der Abend seinen Konzertcharakter. Es wird getanzt und eine Session setzt sich bis gegen 2Uhr morgens fort.

Toumani Diabaté ist in Mali eine Berühmtheit. Seine Insignien wie eine Mercedes-Pullman-Limousine und sein vielgenutztes Handy signalisieren das ebenso wie der Tross von bis zu 10 Personen, der ihn meist begleitet. Zu seinen Angewohnheiten gehört auch eine sehr flexible Zeitrechnung, die leicht zu Verspätungen von 2 Stunden führen kann. Das kannte ich von meinen anderen afrikanischen Kollegen nicht. Trotzdem schafften wir es, an meinem letzten Abend in Bamako eine Studio-Aufnahmesession im Duo Kora-Klavier/Clavichord zu realisieren. Diese brachte uns noch einmal sehr nahe und wurde zu einem magischen musikalischen Moment.

Der Schluß der Tournee war in mehrfacher Hinsicht eine ganz neue Erfahrung. Erstmals sollte ich außerhalb der städtischen Zentren spielen, im Provinzstädtchen Bandiagara. Bandiagara liegt eine Tagesreise von Bamako entfernt im Innern Malis. Hier traf ich die Musikgruppe HAIRE (zu deutsch "Stein"), die der Volksgruppe der Fulani-Nomaden angehören.

Sie haben eine eigene Musikkultur mit hochenergetischen Rhythmen und faszinierenden Tempowechseln. Ganz anders die Erfahrung als mit meinen bisherigen Partnern, die allesamt Profis waren. Diesen waren sowohl unterschiedlichste Auftritts- und Konzertbedingungen als andere musikalische Kulturen bekannt, so daß auf beiden Seiten echter Austausch möglich war. Auch sprachlich konnte man sich mit Englisch und Französisch verständigen. Mit den HAIRE-Musikern dagegen ist verbale Kommunikation kaum möglich. Musikalisch bin ich derjenige, der sich anpassen muß. Doch man macht es mir leicht, und mit Geduld wird mir die Musik der Fulani beigebracht. Mich beeindruckt vor allem die Homogenität der Gruppe, die sich anfühlt wie ein einziger, pulsierender Organismus, deren Teil ich nun werde. Ein kleines Thema von mir erweist sich schließlich als passend zur Musik der Gruppe und der Sänger entwickelt einen Text dazu. Das bringt uns alle noch ein Stück näher zueinander. Wieder zeigt sich die Musik als die wahre Weltsprache. Wir sind glücklich über unser Treffen und man lädt mich ein zu einem weiteren Konzert mit der Gruppe in deren Heimatort Douentza.

Doch das muß ich für ein anderes Mal aufsparen. Meine Rückreise ist schon zwei Tage später. Eine kleine Propellermaschine bringt mich nach Bamako. Dort werde ich verabschiedet vom deutschen Vizebotschafter Dietrich Becker, dem als Mitinitiator der Tournee viel zu verdanken ist. Von Bamako fliegt die Air France über Paris nach Köln. Höchst ungewöhnlich für die Trockenzeit in Mali werde ich verabschiedet von Gewitter, Regen und einem Sandsturm. Diese fast übernatürlich wirkenden Ereignisse scheinen ein passender Abschluß für eine Konzertreise voller musikalischer Magie.

(Zuhause gab es einige Eingewöhnungsschwierigkeiten, unter anderem eine Woche Kältegefühl.

Doch schon im Sommer ergibt sich eine Anküpfung an meine Reise. Der Koraspieler Tata Dindin, mit dem ich am Anfang meiner Reise in Dakar zusammengearbeitet hatte, kommt nach Deutschland. Auf dem Programm stehen Proben, Konzerte und Aufnahme, Konzerte und Aufnahmen für eine CD.

Es zeigt sich, das die Verbindung von Kora und Klavier, der musikalische Dialog zwischen Nord und Süd auch beim europäischen Publikum großes Interesse findet. )

 

Hans Lüdemann

"Tasten nach Afrika" - Konzerte und musikalische Begegungen
6. - 10. Februar: Senegal:
Dakar, Goethe-Institut
9.2. - Solo-Konzert
10.2. - Konzert mit Tata Dindin (Kora)

11. - 21. Februar: Cote d`Ivoire
Konzerte mit:
André Nkouaga, Bass
Namori Cissé, Drums
Ali Keita, Balafon
16.2. Bouaké, Centre Culturel Jaques Aká
17.2. Yamoussoukrou, Universität
19.2. Abidjan, Goethe-Institut

22. - 25. Februar - Burkina Faso:
24.2. - Ougadougou, Zaka-Club (Solokonzert)

26. 2.- 1. März - Ghana:
27.2. - Accra: Nationaltheater/Goethe-Institut (Solo-Konzert)

2. - 13. März - Mali:
3.3. - Bamako, deutsche Botschaft Konzert mit Toumani Diabaté & Band
6.3. - Konzert mit Toumani Diabate (Kora) und Band
11.3. Bandiagara mit der Gruppe HAIRE